Mit dem Auto durch die Dolomiten: Roadtrip-Route 5 Tage
Warum eine Autoreise durch die Dolomiten ein einzigartiges Erlebnis ist
Die Dolomiten sind seit 2009 UNESCO-Welterbe. Das ist keine Formalitat: Es ist die Anerkennung, dass dieser Teil der Ostalpen weltweit seinesgleichen sucht. Senkrechte Felswande, die beim Sonnenuntergang rosa leuchten, Taler wie aus einem Gemalde, Strassen, die sich in Serpentinen in den offenen Himmel winden.
Aber es gibt etwas, das Reisefuhrer oft nicht klar genug sagen: Um die Dolomiten wirklich zu erleben, braucht man ein Auto. Offentliche Verkehrsmittel existieren und haben sich in den letzten Jahren verbessert, aber sie sind langsam, decken nicht alle Passe ab und zwingen zu festen Zeiten, die sich schlecht mit einem Sonnenaufgang auf einem Alpenpass oder dem Nachmittagslicht an einem Bergsee vereinbaren lassen. Die Freiheit, anzuhalten wo und wann man will – ein unerwarteter Aussichtspunkt, eine Hutte am Strassenrand, ein Murmeltier beim Uberqueren der Strasse – ist ein wesentlicher Teil des Erlebnisses.
Ein Roadtrip durch die Dolomiten mit dem Auto ist daher mehr als eine Reiseroute: Es ist eine Art, Urlaub zu machen.
Wo starten: die drei wichtigsten Ausgangspunkte
Die Dolomiten erstrecken sich zwischen Trentino-Sudtirol und Venetien, mit naturlichem Zugang auch aus dem Friaul. Die drei haufigsten Ausgangspunkte werden alle von Autovia-Stationen bedient:
Venedig ist der bequemste Einstiegspunkt fur alle, die aus dem Ausland oder aus Mittel- und Suditalien anreisen. Vom Flughafen Marco Polo oder vom Bahnhof Mestre erreicht man Cortina d’Ampezzo in etwa 2 Stunden. Autovia ist sowohl am Flughafen Venedig als auch in Venedig Mestre vertreten.
Verona ist ideal fur alle, die aus Norditalien oder Mitteleuropa anreisen. Von hier aus fahrt man in weniger als 2 Stunden uber Trient zu den Dolomitenpasssen. Autovia verfugt uber Stationen sowohl am Flughafen Verona als auch am Bahnhof Verona.
Treviso wird als Ausgangspunkt oft unterschatzt, ist aber einer der gunstigsten Flughafen fur die Anreise in den Nordosten. Die Autovia-Station am Flughafen Treviso ist im Sommer eine der meistgenutzten, genau von denen, die die Dolomiten wahlen.
Ein praktischer Tipp: Wer von Venedig in die Dolomiten einreisen und in Bozen ausreisen mochte – oder umgekehrt – profitiert davon, dass Autovia die Ruckgabe an einer anderen Station ermoglicht und so den Zwang entfallt, zum Ausgangspunkt zuruckzukehren.
Die Reiseroute mit dem Auto: 5 Tage in den Dolomiten
Diese Route ist fur alle gedacht, die 5 Tage Zeit haben und das Beste sehen mochten, ohne zu hetzen. Sie eignet sich im Sommer (Juli-August) und im Spatsommer/Fruhherbst. Sie ist nicht fur Menschen geeignet, die nur Entspannung suchen: Die Tage sind vollgepackt und die Strassen erfordern Aufmerksamkeit.
Tag 1 – Ankunft und Fassatal
Empfohlene Unterkunft: Canazei oder Pozza di Fassa
Nach der Abholung des Autos fahrt man ins Fassatal (Val di Fassa) auf der SS48, einer der schonsten Strassen der Dolomiten auch in ihrem “normalen” Abschnitt. Das Tal wird von der Rosengarten-Gruppe (Catinaccio) und den Vajolet-Turmen beherrscht.
Der erste Nachmittag eignet sich perfekt zum Eingewohnen: Ein Spaziergang am Ufer des Karersees (Lago di Carezza, auf 1.519 m Hohe) ist der einfachste Weg zu verstehen, was die Dolomiten mit den Menschen machen. Das smaragdgrunene Wasser spiegelt den Latemar – es ist eines der am meisten kopierten Fotos Europas, und das aus gutem Grund.
Nicht verpassen: den Sonnenuntergang am Rosengarten, von vielen Punkten des Fassatals aus sichtbar. Die Farben des Enrosadira – das Phanomen, bei dem die Dolomitengesteine beim Sonnenuntergang rosa-orange leuchten – vergisst man nicht.
Tag 2 – Pordoijoch und Sellajoch: das Herz der Dolomiten
Unverzichtbarer Stopp des Roadtrips
Der zweite Tag ist ganz den grossen Passen gewidmet. Der Sella Ronda-Rundkurs – der im Winter das beruhmteste Skigebiet Europas ist – kann im Sommer mit dem Auto uber vier Passe gefahren werden: Pordoi, Sella, Gardena und Campolongo.
Pordoijoch (2.239 m) ist der hochste der mit dem Auto erreichbaren Dolomitenplasse. Die Panoramaterrasse bietet einen 360-Grad-Blick, der den Sass Pordoi, die Marmolada (die Konigin der Dolomiten mit ihren 3.343 m) und das Fassatal einschliesst. Von hier aus startet die Seilbahn zum Sass Pordoi auf 2.950 m Hohe: 20 Minuten Spaziergang auf dem Plateau fur ein atemberaubendes Panorama.
Sellajoch (2.244 m) ist der Kreuzungspunkt von vier Talern – Grodental, Fassatal, Gadertal und Livinallongo. Im Sommer ist es belebt, aber nie wirklich chaotisch, wenn man vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr ankommt. Die Sellagruppe daruber ist einer der machtigsten Felsblocke der Alpen.
Praktischer Tipp: Im Sommer sind viele Dolomitenplasse zu bestimmten Zeiten fur den Privatverkehr gesperrt. Vor der Abfahrt immer die aktuellen Einschrankungen auf dolomitimobility.info prufen – sie andern sich von Jahr zu Jahr.
Tag 3 – Grodental und Seiser Alm
Empfohlene Unterkunft: Ortisei oder Wolkenstein in Groeden
Das Grodental (Val Gardena) ist eines der schonsten und am besten organisierten Taler der Dolomiten. Es ist auch der Ort, wo die ladinische Kultur – die dritte Sprache der Dolomiten neben Italienisch und Deutsch – am starksten prasent und sichtbar ist.
Seiser Alm (Alpe di Siusi) ist die grosste Hochalm Europas: 57 km² Hochwiesen zwischen 1.680 und 2.350 m Hohe. Im Sommer ist sie ein gruner Teppich aus Wildblumen, mit dem Langkofel und dem Plattkofel als Kulisse. Sie ist mit dem Auto (mit einigen Zeitbeschrankungen) oder mit der Seilbahn von Ortisei oder Siusi erreichbar.
Nicht verpassen: die Saltria-Alm fur einen Teller Schlutzkrapfen – mit Ricotta und Spinat gefullte Pasta, typisch fur die Sudtiroler Kuche – und ein Craft-Bier.
Tag 4 – Cortina d’Ampezzo und das Cadore
Empfohlene Unterkunft: Cortina d’Ampezzo
Cortina ist die Konigin der venezianischen Dolomiten. Austragungsort der Ski-Weltmeisterschaft 2021 und der Winterolympiade 2026, ist es auch im Sommer eines der schonsten Reiseziele mit einem eleganten Stadtzentrum und einem hochwertigen Wanderangebot.
Drei Zinnen (Tre Cime di Lavaredo, 2.999 m) sind wahrscheinlich das visuelle Symbol der Dolomiten weltweit. Die Rundwanderung um die drei Zinnen (ca. 10 km, 500 m Hohenunterschied, 3-4 Stunden) ist eine der beliebtesten Wanderungen Europas. Die Anfahrt mit dem Auto erfolgt uber die Auronzo-Hutte – es wird eine Maut erhoben. Tipp: sehr fruh aufbrechen, bei Sonnenaufgang ist noch Parkplatz frei und das Licht ist spektakular.
Misurinasee (Lago di Misurina) liegt 5 Minuten vom Zugang zu den Drei Zinnen entfernt und ist einer der meistfotografierten Alpenseen Italiens. Auf 1.754 m Hohe spiegelt er bei Windstille die Drei Zinnen und die Marmarole wider.
Falzaregopass (2.105 m) ist der Zugang zur Col di Lana-Zone, Schauplatz einiger der hartesten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Das Freilichtmuseum des Grossen Krieges in den Dolomiten ist im Sommer zu besichtigen und bietet eine eindringliche historische Perspektive auf diese Orte.
Tag 5 – Pustertal und Ruckreise
Letzte Etappe vor der Ruckreise
Das Pustertal (Val Pusteria) ist das grosse Tal, das Sudtirol von Ost nach West durchquert und Toblach mit Brixen verbindet. Es bietet ein ruhigeres Tempo mit mittelalterlichen Ortschaften, Radwegen und der authentischsten Sudtiroler Kuche.
Toblach (Dobbiaco) verdient einen Stopp fur seinen See und die Barockpfarrkirche. Es ist auch der Ausgangspunkt fur den Radweg des Sextertals, einen der schonsten in Trentino-Sudtirol.
Bruneck (Brunico) ist die Hauptstadt des Pustertals: uberdachter Markt, kompaktes historisches Zentrum und das Messner Mountain Museum Ripa im Schloss Bruneck – eines der sechs Bergmuseen des Bergsteigers Reinhold Messner.
Von Bruneck geht es hinunter nach Brixen und dann nach Bozen oder Verona zur Ruckreise, je nach geplantem Flug oder Zug.
Welches Auto fur die Dolomiten wahlen
Nicht alle Autos sind auf Alpenpassen gleichwertig. Einige praktische Uberlegungen:
- Automatikgetriebe: Die Serpentinen der Dolomitenplasse sind anspruchsvoll, besonders bergab. Ein Auto mit Automatikgetriebe reduziert den Fahraufwand erheblich. Wer das manuelle Fahren in den Bergen nicht gewohnt ist, sollte es bei der Buchung ausdrucklich anfragen.
- Grosse: Die Passstrassen haben oft enge Spuren und blinde Kurven. Ein kompaktes oder mittelgrosses Auto ist handlicher als ein grosser SUV.
- Kofferraum: Wer Wanderungen plant, muss Rucksakke, Wanderschuhe und mehrlagige Kleidung verstauen – in der Hohe kann die Temperatur auch im Hochsommer sinken.
- Versicherung: Immer den Versicherungsschutz fur Bergfahrten und fur Schaden durch auf den Passen aufgewirbelten Schotter prufen – das kommt haufiger vor als man denkt.
Der Autovia Web-Check-in ermoglicht es, den burokratischen Papierkram vor der Abholung zu erledigen und spart wertvolle Zeit zu Beginn der Reise. Wenn man in die Dolomiten aufbricht, zahlt jede Minute mehr im Auto.
Haufig gestellte Fragen zum Dolomiten-Roadtrip mit dem Auto
Wann ist die beste Reisezeit fur die Dolomiten mit dem Auto?
Juli und August sind die Monate mit dem stabilsten Wetter, aber auch die uberfullsten. Ende Juni und September bieten fast ebenso gute Bedingungen mit weniger Verkehr und niedrigeren Preisen. August-Wochenenden sollte man meiden: Die Hauptpasse konnen sehr voll werden.
Sind die Dolomitenplasse im Sommer geoffnet?
Fast alle, aber die Offnungsdaten variieren von Jahr zu Jahr je nach Spatschneefallen. Die Passe Pordoi, Sella und Gardena offnen in der Regel im Juni. Der Giau und der Stilfserjoch konnen bis Juli geschlossen bleiben. Immer vorher auf passi.info nachschauen.
Braucht man ein Allradfahrzeug fur die Dolomiten im Sommer?
Nein. Die Passstrassen sind asphaltiert und in gutem Zustand. Ein normales Auto reicht im Sommer und Herbst bis zum ersten Schneefall aus.
Was kostet der Kraftstoff?
Bei einer 5-Tage-Route wie der beschriebenen (ca. 600-700 km insgesamt) gibt man mit einem mittelgrossen Benziner etwa 60-80 Euro fur Kraftstoff aus. Mit einem Hybrid oder Autogas-Fahrzeug sinkt der Betrag deutlich.
Gibt es Parkmoglichkeiten an den Passen?
Ja, aber in der Hauptsaison fullen sie sich schnell. Am Pordoi, am Sella und an den Drei Zinnen empfiehlt es sich, bis 8-9 Uhr morgens anzukommen. Einige Bereiche erheben Stundengebuhren.
Fazit
Die Dolomiten mit dem Auto sind eines jener Erlebnisse, die bleiben. Nicht weil alles perfekt ist – die Passe im August sind uberfullt, die Parkplatze kosten Geld, manche Orte sind zu Instagram-tuchtigen Kulissen geworden – sondern weil das Ausmass dieser Landschaften, von einer Strasse aus gesehen, die sich in den Himmel windet, etwas mit einem macht, das sich vor dem Erleben nicht wirklich in Worte fassen lasst.
Plane im Voraus, buche das Auto einige Wochen im Voraus (im Sommer gehen die verfugbaren Fahrzeuge an den gefragteren Stationen schnell weg), und bring einen Plan B fur das Wetter mit – die Dolomiten konnen unberechenbar sein.
Die Autovia-Stationen in Venedig Flughafen, Treviso Flughafen und Verona sind die naturlichen Ausgangspunkte fur diese Route. Mit der Moglichkeit, an einer anderen Station zuruckzugeben, kannst du die Reise nach deinen Wunschen gestalten – Einreise auf einer Seite, Ausreise auf der anderen.
Lesen Sie auch: Strande in Nordsardinien mit Kindern: Reiseroute mit dem Auto – Reiseroute Val di Noto mit dem Auto
